
Es war das Sommerloch. Das TV-Programm dümpelte vor sich hin, und ich wollte endlich mal etwas Neues mit meiner Synology ausprobieren. Was als Experiment begann, ist heute mein liebstes Homelab-Projekt — und ich würde es jederzeit wieder machen.
Ich war komplett neu in diesem Themengebiet. Keine Ahnung von Indexern, Downloadclients oder Automatisierungstools. Nicht mal die Frage „Wie logge ich mich überhaupt ein?" war selbstverständlich. Ich bin über viele, teils sehr banale Dinge gestolpert. Aber genau das macht diesen Bericht interessant — weil ich alles von null aufgebaut habe und zeigen kann, wie es wirklich läuft.
Die Grundidee: Statt Streaming-Abos zu verwalten und zu suchen, wer gerade welchen Film hat, verwalte ich meine eigene Mediathek — vollautomatisch organisiert, wunderschön auf dem Apple TV präsentiert.
Der Auslöser: Das TV-Sommerloch
Sommer, schlechtes Fernsehprogramm, eine Synology NAS die schon länger im Regal steht und deutlich mehr kann als Dateien speichern. Das war die Ausgangslage. Ich hatte immer mal wieder von Leuten gehört, die sich ihren eigenen Medien-Stack aufgebaut haben — aber das klang nach etwas für Profis. Für Menschen, die Linux-Befehle träumen.
Ich bin keiner davon. Ich bin Consultant, kein Systemadministrator. Aber der Reiz war da: Was steckt wirklich hinter diesen Tools? Kann ich das? Und was lernt man dabei?
„Nicht wegen der Filme. Sondern wegen des Lernens."
Die Bausteine meines Stacks
Was heute reibungslos läuft, ist das Zusammenspiel von sechs Diensten — alle in Docker-Containern auf meiner Synology DS225+. Kein einzelnes Tool macht die Arbeit, es ist das Zusammenspiel:
| Tool | Aufgabe | Warum ich es gewählt habe |
|---|---|---|
| Prowlarr | Indexer-Verwaltung — der Verteiler | Ein zentraler Ort für alle Quellen, verteilt automatisch an Radarr & Sonarr |
| Radarr | Filmverwaltung & Automatisierung | Sucht, lädt, benennt um — vollautomatisch nach meinen Qualitätsvorgaben |
| Sonarr | Serienverwaltung & Automatisierung | Dasselbe wie Radarr, aber für Serien — neue Episoden kommen wie von Geisterhand |
| SABnzbd | Download-Client | Zuverlässig, gut dokumentiert, perfekte Integration in den Stack |
| NZBFinder | Usenet-Indexer (kostenpflichtig) | Gute Trefferquote, faire Preise — der Schlüssel zu schnellen Downloads |
| Jellyseerr | Anfrage-Oberfläche | Schöne Web-UI um Filme und Serien anzufordern — fast wie Netflix |
Und ganz am Ende der Kette: Infuse auf dem Apple TV. Das ist die Oberfläche die ich sehe — und sie ist schlicht wunderschön.
Jellyseerr: Das Netflix-Feeling für meine eigene Bibliothek
Jellyseerr ist das, was meine Frau Heidi sieht, wenn sie etwas schauen möchte. Eine saubere Oberfläche, Sucheingabe, Bewertungen, alles auf einen Blick. Sie klickt auf „Anfordern" — und irgendwo im Hintergrund setzt sich der Stack in Bewegung: Prowlarr sucht, SABnzbd lädt, Sonarr sortiert ein. Für den Nutzer: Magie.
Das Schöne daran: Man sieht sofort, ob etwas bereits verfügbar ist, ob es angefragt wurde, oder ob es noch niemand hat. Kein Durchklicken durch verschiedene Apps mehr.
Infuse: Das Ergebnis auf dem großen Bildschirm
Meine Bibliothek, meine Regeln
Infuse greift direkt auf den Netzwerkspeicher zu und zeigt die Mediathek in einer Oberfläche die sich anfühlt wie ein professioneller Streaming-Dienst. Cover, Metadaten, Bewertungen — alles automatisch.
Was mich an Infuse überzeugt hat: Es sieht aus wie ein teurer Streamingdienst, spielt aber meine eigenen Dateien ab. Die Metadaten werden automatisch geladen, Filmcover, Beschreibungen, Besetzung — alles da, ohne dass ich einen Finger rühren muss. Und die Qualität stimmt: 1080p, ordentlicher Ton, keine Kompromisse.
Die Stolpersteine — ehrlich dokumentiert
Ich wäre kein ehrlicher Blogger, wenn ich nur die glatte Oberfläche zeigen würde. Hier sind die Dinge, über die ich tatsächlich gestolpert bin:
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„Wie logge ich mich überhaupt ein?"
Jeder Dienst läuft auf einem anderen Port. Radarr auf 7878, Sonarr auf 8989, SABnzbd auf 8080. Das klingt trivial — aber wenn man das zum ersten Mal sieht, ist man erstmal verloren. Ich hatte mehrere Browser-Tabs mit IP:Port-Kombinationen offen und wusste nicht wo ich anfangen sollte.
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Pfade — der klassische Anfängerfehler
Radarr und SABnzbd müssen die gleichen Verzeichnispfade „sehen" — aber aus Docker-Perspektive. Was auf der Synology
/volume1/mediaheißt, heißt im Container vielleicht/data. Wenn das nicht stimmt, lädt SABnzbd herunter, aber Radarr findet die Datei nie. Ich habe das Servarr-Wiki ausgiebig studiert. -
Das Servarr-Wiki — mein rettender Anker
Die Community-Dokumentation unter wiki.servarr.com ist hervorragend. Fast jedes Problem, über das ich gestolpert bin, war dort beschrieben. Manchmal auf Englisch und technisch — aber die Antworten waren immer da.
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Qualitätsprofile verstehen
Radarr und Sonarr haben Qualitätsprofile — man definiert, welche Auflösung, welche Codecs man möchte. Erst nachdem ich das richtig konfiguriert hatte, kamen Filme in der Qualität an, die ich wollte. Vorher: irgendwas, manchmal gut, manchmal nicht.
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Geduld mit dem ersten Download
Der erste erfolgreiche vollautomatische Download — Anfrage in Jellyseerr, fünf Minuten später fertig in Infuse — war ein echtes Aha-Erlebnis. Bis dahin hatte ich mehrfach gedacht, das System funktioniere gar nicht.
Mein wichtigster Tipp: Nimm dir Zeit für die Pfad-Konfiguration, bevor du den ersten Download startest. Wenn Download-Client und Verwaltungs-App nicht dieselben Pfade sehen, dreht sich das System im Kreis — und du suchst den Fehler stundenlang an der falschen Stelle.
Was ich wirklich gelernt habe
Nicht primär Technik. Natürlich habe ich jetzt ein Grundverständnis von Docker-Containern, Netzwerkpfaden und API-Verbindungen. Aber das Wichtigste war etwas anderes: Wie man sich in einem völlig unbekannten Themengebiet orientiert.
Dokumentation lesen. Community-Foren durchforsten. Ausprobieren, scheitern, verstehen. Das Sommerloch hat mir eine Fähigkeit zurückgegeben, die im Alltag oft zu kurz kommt: Einfach mal etwas anfangen, ohne zu wissen wo es endet.
„Nicht wegen der Filme. Wegen des Gefühls, etwas verstanden zu haben das vorher wie Magie wirkte."
Fazit: Würde ich es wieder machen?
Ja. Sofort. Das Sommerloch ist längst vorbei — aber der Stack läuft weiter, still und zuverlässig auf seiner Synology DS225+. Neue Serien kommen automatisch an. Filme die ich anfrage sind in Minuten da. Infuse auf dem Apple TV sieht aus wie ein professioneller Streamingdienst.
Der Einstieg war holprig. Die Lernkurve war real. Aber der Punkt, an dem alles zum ersten Mal reibungslos funktioniert hat — das war einer der befriedigendsten Momente meiner Homelab-Reise. Und das ist schwer in Worte zu fassen.
Für alle die starten wollen: Fang mit dem Servarr-Wiki an. Nimm dir Zeit für die Pfade. Und rechne damit, dass der erste erfolgreiche vollautomatische Download ein echtes Erfolgserlebnis wird — auch wenn du dafür ein paar Abende investierst.